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ISG Hagenwerder e.V.

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SZ vom Mittwoch, 12.12.2018 

So kam der Sportplatz-Deal zustande

Sportminister Roland Wöller (2.v.r.) sprach von einer Mannschaftsleistung. Mit in der Mannschaft spielten auch OB Deinege (li.), Octavian Ursu (2.v.l.) und ISG-Chef Thomas Zimmermann. © Nikolai Schmidt

Der Sportplatz-Deal, den der Innenminister in Hagenwerder verkündete, verblüfft. Die SZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

Am Montag war zwar erst der zehnte Dezember, aber für die Sportler der ISG in Hagenwerder war schon Weihnachten. Weil Sachsens Sportminister Roland Wöller sie besuchte und ein Geschenk dabei hatte, mit dem hier selbst der größte Optimist nicht mehr gerechnet hatte. Nach der Stilllegung des Rasenplatzes der ISG im Oktober und wochenlangen, hoch emotional geführten Debatten sah es im jüngsten Stadtrat eher danach aus, als wäre der letzte Zug abgefahren. Aber Wöller verkündete am Montag überraschend: „Der Spielbetrieb in Hagenwerder geht weiter.“ Den Applaus der etwa 60 Anwesenden hatte er sofort sicher, Freude und Erleichterung nach dem wochenlangen Gezerre. Doch wie kam es zur plötzlichen Kehrtwende und wie geht es nun weiter? Die SZ beantwortet die wichtigsten Fragen:

Wie kam es trotz schlechter Vorzeichen plötzlich zu dem Deal?

Gerade noch hatte Oberbürgermeister Siegfried Deinege im November-Stadtrat verkünden müssen, dass die Sächsische Aufbaubank als Fördermittelgeber der Stadionsanierung beide Görlitzer Lösungsideen verworfen hatte. Kern des Problems war, dass die Sanierung des Stadions der Freundschaft in Weinhübel als Hochwasserersatzmaßnahme galt – mit der Auflage, den Rasenplatz in Hagenwerder stillzulegen, der 2010 von der Flut betroffen war. Alle Versuche, das zu verhindern, waren zuvor gescheitert.
Dass es plötzlich zur großen Kehrtwende kam, ist erheblich dem CDU-Stadtrat und Landtagsabgeordneten Octavian Ursu zuzuschreiben. Zunächst war auch sein Lösungsansatz, einen Teil der Fördermittel zurückzuzahlen – etwa 200000Euro – von Dresden abgelehnt worden. Trotzdem hatte er sich bei Wöller unermüdlich für eine Lösung eingesetzt. „Er hat mich bald jeden zweiten Tag angerufen“, sagte Wöller am Montag vor der ISG. Die letztlich gefundene Lösung sei aus den Gesprächen zwischen allen Beteiligten erwachsen, so Ursu gegenüber der SZ. „Voraus ging eine tiefgründige juristische Bewertung der Situation, wodurch alle möglichen Optionen noch einmal geprüft werden konnten.“


Was bedeutet die Lösung nun für die Sportler der ISG?

Das Wichtigste: Der Trainings- und Spielbetrieb kann wieder auf dem Heimplatz stattfinden. Doch die Sache wäre zu schön, hätte sie nicht auch einen Haken. Natürlich gab es die Lösung nicht bedingungslos. Der Deal ist, dass die Stadt keine Fördermittel zurückzahlen muss, die ISG aber für die Rücknahme der Stilllegung 25Jahre lang keine Fördermittel mehr von Bund und Land bekommen darf. Die Stadt muss die ISG aus ihrer Sportstättenplanung herausnehmen, darf aber natürlich eigene Gelder an die ISG ausreichen.


Wie geht das Görlitzer Rathaus mit der Lösung um?

Im Rathaus lässt man trotz der Wöllerschen Verkündung noch ein wenig Vorsicht walten. Pressesprecher Wulf Stibenz sagt zwar nicht, ob OB Deinege nun alle juristischen Prüfungen des jüngsten SAB-Schreibens ruhen lässt – kündigt aber weitere Gespräche mit der SAB an, um die Lösung im Detail festzuschreiben, was die Zulässigkeit des Spielbetriebs und die Nicht-Rückzahlung der Fördermittel betreffe. „Minister Wöller hat die Eckpunkte genannt, nun benötigt die Stadt einen Schriftsatz für die Umsetzung“, sagt Stibenz. Ob es einen Stadtratsbeschluss geben muss, hänge von den Schriftstücken ab, die aus Dresden kommen. Auch davon abhängig sei die Frage, ob der Platz unter Umständen doch an die ISG verkauft werden kann. Trotz all dieser Fragen: Dem OB war am Montag die Erleichterung anzumerken. Er habe in dieser Sache viele Nerven gelassen, das Ziel aber nie aus den Augen verloren.


Wie haben die Sportler der ISG auf die Rücknahme der Stilllegung reagiert?

Am Montag war Freude erst einmal das alles beherrschende Gefühl. Überschwänglich wurden der Minister sowie der OB und Octavian Ursu mit ISG-Schals beschenkt und mussten dem Blitzlichtgewitter standhalten. Roland Wöller bekam auch gleich die Unterschriftenlisten der Online-Petition überreicht – einen Tag vor deren Ablauf waren 3126Stimmen gegen die Stilllegung zusammengekommen. Zwar ist die Petition nun hinfällig, aber als Symbol für den konsequenten Protest sollte sie dann doch nicht einfach so unter den Tisch fallen.
Gestern war etwas Ernüchterung eingekehrt. Es sei ja noch nichts unterschrieben und nicht, dass da doch noch etwas schief geht, äußerte sich Vorstandsmitglied Michel Koch vorsichtig. Dass sie auf das Kleingedruckte achten müssen, haben die Sportler hier gelernt. Auch um finanzielle Unterstützung werden sie künftig kämpfen. Octavian Ursu sagte am Montag, die Stadt wäre bereit gewesen, die 200000Euro Fördermittel zurückzuzahlen. „Wir müssen uns das merken, für künftige Investitionen hier“, so Ursu. „Das werden wir“, antwortete einer aus dem Publikum. Zum Trainieren wollen die Fußballer im Februar auf ihren Platz zurückkehren. Die Spielgemeinschaft mit Rauschwalde bleibt bestehen. Das erste Spiel der Männer soll am 16.Februar stattfinden. Und auch das Spiel mit dem FC Landtag soll noch stattfinden – wahrscheinlich im Juni. Die beiden Protest-Plakate am Ortseingang wollen die ISGler nun mit Aufklebern überkleben, auf den groß steht:

„Geschafft!“

 

SZ vom Dienstag, 11.12.2018

Sachsens Innenminister löst Sportplatz-Streit

Seit zwei Monaten ging nichts mehr auf dem Platz in Hagenwerder. Das ist nun vorbei.

Von Sebastian Beutler

Der Sportplatzstreit in Hagenwerder ist gelöst. Soeben hat Sachsens Innenminister Roland Wöller der ISG Hagenwerder bei einem Treffen in dem Görlitzer Stadtteil eröffnet, dass der Verein den Platz weiter nutzen darf. Die Stadt muss keine Fördermittel zurückzahlen, bekommt aber über 25 Jahre keine weiteren Fördermittel von Bund und Land für Hagenwerder, das damit aus der Sportstätten-Förderung herausfällt.

Seit Mitte Oktober war der Sportplatz der ISG Hagenwerder für den Trainings- und Spielbetrieb gesperrt gewesen. Das war die Folge eines Fördermittel-Streits, der spätestens seit 2015 zwischen der Stadt Görlitz und dem Freistaat geschwelt hatte. Die Stadt hatte Fördermittel für Hochwasserersatzbauten für das Stadion der Freundschaft eingesetzt, im Gegenzug musste sie sich dazu verpflichten, den vom Neiße-Hochwasser überfluteten, aber längst wieder bespielbaren Platz in Hagenwerder stillzulegen.

 
SZ vom Donnerstag, 22.11.2018

Erhalt des Sportplatzes Hagenwerder wird für Görlitz teuer

Ohne eine Rückzahlung von Fördergeldern wird der Platz nicht weiter bespielt werden können. Jetzt geht es um die Höhe der Rückzahlung.

Von Jan Lange und Sebastian Beutle

Die Debatte um den Sportplatz Hagenwerder sorgt seit Wochen für Diskussionen.

© ISG Hagenwerder

Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) sieht keinen Grund, den Sportplatz der ISG Hagenwerder dicht zu machen. Das erklärte der Minister bei einer öffentlichen Gesprächsrunde in Zittau am Montagabend. Vertreter des Sportvereins hatten Wöller auf das Problem angesprochen und um Unterstützung gebeten. Der Minister zeigte Verständnis für den Unmut der Sportler. „Mit ihnen ist man nicht gerade fair umgegangen.“ Wöller betonte, dass es wichtig sei, dass der Verein am Ende weiter auf dem Platz spielen könne. Gleichzeitig machte er aber auch deutlich, dass es Aufgabe der Stadt Görlitz und der Sächsischen Aufbaubank (SAB) sei, eine rechtssichere Lösung zu finden. Die sieht der Minister darin, dass die Stadt Fördermittel zurückzahlt. Wie hoch die Rückzahlung ist, müsse durch die SAB geprüft werden. Das könnte bedeuten, dass die Stadt den gesamten Förderbetrag oder auch nur einen prozentualen Anteil zurückzahlen muss.

Der Görlitzer CDU-Chef Octavian Ursu hatte vorgeschlagen, mit Dresden zu verhandeln, dass Görlitz nicht die gesamte Fördersumme in Höhe von 1,3 Millionen Euro zurückzahlen müsse, sondern nur den für den Rasenplatz bezifferten Anteil. Das wären 200 000 bis 250 000 Euro. Allerdings reagierte die SAB skeptisch auf diesen Vorschlag gegenüber der SZ. Schon zuvor hatte sie auf Anfrage erklärt, dass die Stillegungsbedingung des Platzes auch bei einer Abgabe an den Verein gelte, so lange die Stadt die Fördermittel nicht zurückzahle. Das bestätigt auch Innenminister Roland Wöller in einer Antwort auf eine kleine Anfrage des Görlitzer Landtagsabgeordneten und Stadtrates Mirko Schultze (Linkspartei). „Nach derzeitiger Sachlage kann der Sportplatz in Hagenwerder nur dann wieder geöffnet und durch Vereine genutzt werden, wenn eine Rückzahlung gewährter Fördermittel durch die Stadt Görlitz erfolgt.“

In jedem Fall läuft es also darauf hinaus, dass die Stadt Fördergelder zurückzahlen muss. Welcher Weg möglich ist, dass prüft die SA derzeit auf Bitte des Görlitzer Oberbürgermeisters Siegfried Deinege nochmals. Das steht ebenso in der Antwort des Innenministeriums auf Schultzes Anfrage. Demnach habe sich der Görlitzer OB mit Schreiben vom 7. November an die SAB gewandt. „Die Beantwortung dieses Schreibens seitens der SAB steht aufgrund der andauernden Prüfung derzeit noch aus“, heißt es in der Antwort von Innenminister Roland Wöller.

Am Montagabend in Zittau fand der frühere sächsische Innenminister Heinz Eggert klare Worte zum Thema. „Das war Fördermittelbetrug der Stadt Görlitz“, rief er aus der letzten Reihe im Publikum. Dieser Feststellung wurde vonseiten des Ministers nicht widersprochen. ISG-Vorsitzender Thomas Zimmermann hofft seinerseits auf eine saubere Lösung, die in drei Jahren nicht wieder auf der Kippe steht. Dass die Stadt Görlitz das Fördergeld zurückzahlen müsse, wie der Innenminister erklärt hatte, sei für Zimmermann keine neue Aussage. „Aber vonseiten des Ministers hat sie mehr Gewicht“, steht für ihn fest. Am nächsten Donnerstag werden Vertreter der ISG vor dem Stadtrat sprechen, ehe nochmals Oberbürgermeister Siegfried Deinege über den Sportplatz-Streit informiert.

 

SZ vom Donnerstag, 15.11.2018

Deinege gibt noch nicht auf

Im Ortschaftsrat in Hagenwerder bekommt der OB die geballte Kritik zur Sportplatzschließung zu spüren. Und macht neue Versprechen.

Von Daniela Pfeiffer 

Was wird aus ihm? Noch genießt er den Ruf, einer der besten Rasenplätze der Stadt zu sein. Fällt nicht bald eine positive Entscheidung zu seiner Zukunft, droht der Verfall, denn die Stadt wird sich um die Pflege nicht mehr kümmern.

Es brodelt weiter. Auch nach wochenlangen Diskussionen und Aktionen zum Sportplatz Hagenwerder kommen die Menschen nicht zur Ruhe, sind immer noch wütend und ratlos. Das war am Dienstagabend im Ortschaftsrat Hagenwerder deutlich spürbar, wo es voll wie lange nicht war. Erstmals hatten die Einwohner die Chance, Oberbürgermeister Siegfried Deinege direkt mit ihren Fragen, aber auch ihrem Frust zu konfrontieren und nutzten die Gelegenheit auch.

Was habe er denn ganz persönlich gefühlt, als er wissentlich der Stilllegung des Rasenplatzes in Hagenwerder zustimmte, wollte ein Bürger wissen. Daraufhin setzte der OB zu einer langen Rede an, die die Anwesenden letztlich aber genauso ratlos zurückließ, wie sie vorher waren.

Das Stadion der Freundschaft, für das der Rasenplatz in Hagenwerder aus Sicht der ISG und der Einwohner ja geopfert wurde, hätte nie saniert werden können, wenn nicht das Hochwasser von 2010 passiert wäre. Das sagte Deinege klipp und klar. „Es gab Fördermittel, die wir nicht im Hochwassergebiet einsetzen konnten. Deshalb hatte erstens die Sanierung des Stadions der Freundschaft Priorität, und zweitens musste eine Lösung für Hagenwerder her.“ Dass er diese persönlich mit großem Engagement gesucht hat, machte der OB den anwesenden Bürgern klar. Als der Fördermittelbescheid kam, in dem die Auflage zur Sportplatzstilllegung stand, sei er sofort aktiv geworden – „auf allen möglichen Ebenen“. Eine Lösung schien schnell gefunden: die Übernahme des Platzes durch einen privaten Betreiber. Dass das nicht geht, stand damals noch nicht im Raum, im Gegenteil: Es sei die Lösung gewesen, die die Sächsische Aufbaubank (SAB) als Fördermittelgeber mitgetragen habe.

Das änderte sich, als der Fall Hagenwerder vom Rechnungsprüfungshof angeprangert wurde und 2015 im Schwarzbuch der Steuerzahler auftauchte. Da wurde kritisiert, dass ein Platz noch in Betrieb sei, für dessen Hochwasserschaden Fördermittel geflossen sind – und zwar in die Sanierung des Stadions in Weinhübel. Auch, dass die Stadt zunächst für das Sportzentrum Hagenwerder einen Hochwasserschaden von 1,9 Millionen Euro meldete, später aber auf fünf Millionen nach oben korrigierte, wurde angeprangert. Die geänderte Summe ergab sich aber aus der Erkenntnis, dass die Sanierung des Sportkomplexes wegen weiterer Hochwassergefährdung nicht durchgeführt werden konnte. Stattdessen plante die Stadt nun Neubauten: eine Zweifeldsporthalle, Außensportanlagen und Vereinsanlagen an einem anderen Standort.

Dennoch: Die Kritik hatte schwere Folgen. Laut Siegfried Deinege war sie der Auslöser dafür, dass die SAB die Lösung, den Platz in private Hände zu übertragen, nicht mehr mittrug. Eine andere Idee war, bei der Stadionsanierung den Rasen herauszulösen und ihn später mit eigenen, städtischen Mitteln zu sanieren. Hier habe wiederum der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) nicht mitgespielt.

Kurzum: Keine der von ihm angestrebten Lösungen wären erfolgreich gewesen. Er könne das selbst bis heute nicht verstehen, sagte Deinege. Dass es so weit kommen würde, dass der Spiel- und Trainingsbetrieb tatsächlich eingestellt werden muss, habe in Verwaltung und Stadtrat niemand für möglich gehalten. Einen Maulkorb habe er allerdings niemandem verpasst, betonte der OB.

Das sieht der ISG-Vorstand anders. Bewusst hätten sie sich immer zurückgehalten, weil sie darum angehalten worden waren – um ja die sensiblen Verhandlungen nicht durch verfrühte Öffentlichkeit zu stören. Am Dienstag sagte ISG-Vorsitzender Thomas Zimmermann schließlich, dass es den Sportlern inzwischen auch egal sei, wann was besprochen wurde. „Wir wollen unseren Rasenplatz zurück.“ Und zwar nicht nur für Training, sondern auch wieder für den Ligabetrieb, hieß es aus dem Publikum. „Wir können gar nichts dafür, wir sind das Bauernopfer.“

Er wolle ja auch noch nicht aufgeben, versprach der OB. Den Vorschlag der teilweisen Rückzahlung, den CDU-Stadtrat und Landtagsabgeordneter Octavian Ursu gebracht hatte, hat Deinege juristisch untersetzen und fein ausformuliert nach Dresden schicken lassen. Darin ein Angebot zur Finanzierung der Rückzahlung – ohne dass dafür ein Stadtratsbeschluss nötig sei. „Wir haben versucht, einen realen Wert zu ermitteln, was der Rasen im Stadion der Freundschaft gekostet hat. Und ich hoffe, man erklärt mir in Dresden jetzt, wie es geht. Nicht, warum es nicht geht.“

Die Menschen in Hagenwerder hätten in den vergangenen Wochen so viel Druck aufgebaut, dass der OB nicht glaube, lange auf eine Entscheidung warten zu müssen. „Den Druck hätten wir auch 2015 schon aufbauen können“, hieß es wiederum aus dem Publikum.

Diesen Druck wollen sie beibehalten. Die Unterschriftenliste füllt sich mehr und mehr, soll demnächst in Dresden beim Innenministerium abgegeben werden. Auch das angestrebte Spiel mit dem FC Landtag wird wohl stattfinden. Marko Schiemann (CDU), der Präsident des FC Landtag, habe fest zugesagt, es gehe nur noch um einen Termin. Gespielt werden soll auf keinem anderen Platz als dem Rasenplatz der ISG Hagenwerder.


SZ vom Dienstag, 13.11.2018

Neuer Vorschlag zur Sportplatz-Rettung

Rolf Weidle von den Bürgern für Görlitz sieht im Fall von Hagenwerder die Lösung in einem Erbbaupachtvertrag. Doch die Chance dafür steht schlecht.

 
Der Sportplatz in Hagenwerder.
Der Sportplatz in Hagenwerder.

© ISG Hagenwerder

Rolf Weidle, Fraktionschef der Bürger für Görlitz, will am Mittwoch im Verwaltungsausschuss seinen Vorschlag unterbreiten, wie der Rasenplatz Hagenwerder weiter genutzt werden könnte: „Die Stadt bietet umgehend auf Anregung des Stadtrates einen Erbbaupachtvertrag mit einer moderaten Pacht an“, so Weidle. „Ich kann mir nicht vorstellen, warum übergeordnete Dienststellen im Freistaat oder andere Institutionen eine solche Absicht verhindern oder verbieten sollten. Ich kann mir hingegen gut vorstellen, dass Ministerpräsident Michael Kretschmer einen solchen Weg unterstützen würde.“ Allerdings kamen diesbezüglich von der Sächsischen Aufbaubank (SAB) vor einem Jahr bereits negative Signale. Auf SZ-Anfrage hatte es damals geheißen: „Die Stadt Görlitz ist verpflichtet, die Stilllegung des Sportplatzes nachzuweisen. Sofern die Stadt beabsichtigt, die Liegenschaft an einen Dritten zu übertragen, müsste von diesem die Verpflichtung zur Stilllegung übernommen werden.“ Dennoch sollte man das jetzt politisch angehen, das sei nochmal ein ganz anderer Druck, so Weidle. Er möchte vermeiden, dass die Stadt viel Geld aus ihrem Haushalt nehmen muss, falls es aus Dresden für die von Octavian Ursu (CDU) vorgeschlagene Idee zur anteiligen Rückzahlung der Fördermittel grünes Licht geben würde. (SZ/dan)

Dieser Vorschlag wir mit unserem Verein nicht zu machen sein!                                      Wir werden nicht für die Stadt ihre "Leiche" aus ihrem Keller tragen.

SZ vom Samstag, 10.11.2018

Wie Hagenwerder über den Sportplatz diskutiert

Beim Bürgerabend platzte noch mal manchem der Kragen. Doch es gab auch Versöhnliches.

Von Daniela Pfeiffer

 

Volles Haus: Zum Informationsabend der ISG Hagenwerder kamen am Donnerstag viele Vereinsmitglieder, aber auch weitere Einwohner in die Bahnhofsgaststätte Hagenwerder. Auch Jürgen Heidrich vom Vorstand (rechts) sprach hier Klartext.
Volles Haus: Zum Informationsabend der ISG Hagenwerder kamen am Donnerstag viele Vereinsmitglieder, aber auch weitere Einwohner in die Bahnhofsgaststätte Hagenwerder. Auch Jürgen Heidrich vom Vorstand (rechts) sprach hier Klartext.

© nikolaischmidt.de

Fußball – der Sport der Emotionen. Wer kann schon ein Spiel schauen, ohne mitzufiebern oder zu fluchen. Die eine oder andere Frau vielleicht. Klar, dass die Nerven blankliegen, wenn dann so etwas passiert wie in Hagenwerder: Den Fußballern, klein wie groß, wird ihr Platz genommen. Warum, wieso, weshalb – das erklärte der Vorstand der ISG Hagenwerder beim Bürgerabend am Donnerstag.

Minutiös wurde aufgelistet, was seit dem August-Hochwasser von 2010 passierte, welche Informationen es gab, welche Gespräche. Zum ersten Mal konnte der Vereinsvorstand vor Vereinsmitgliedern und Bewohnern so offen sprechen. Gegenüber den Medien und Politikern hatte man das seit Bekanntwerden der Stilllegung Anfang Oktober zur Genüge getan – der Kampf um den Erhalt läuft seitdem unermüdlich.

Vor den eigenen Leuten darüber zu reden, das ist aber noch einmal etwas anderes. Es geht schließlich um die gemeinsame Geschichte, gemeinsame Arbeit, gemeinsamen Verlust. Mehrere Ältere meldeten sich zu Wort, die besonders um die Tradition der ISG wissen, die sie zum Teil selbst mit aufgebaut haben. So wie Peter Grützner. 500 freiwillige Arbeitsstunden habe er beim Aufbau des Platzes und der Traversen geleistet. Ihn macht es wütend, zu sehen, wie das nun mit Füßen getreten wird. „Die Stadt hat Dreck am Stecken“, sagt er unumwunden und wundert sich, wie jemand auf eine Schadenssumme von etwa 200 000 Euro kommen will – nur für die Hochwasserschäden vom 7. August 2010. „Es waren nicht mal 2 000 Euro“, schätzt Grützner selbst. „Nur die Trainerbänke waren kaputt, das haben wir selber behoben.“ Wie die Stadt im ersten Fördermittelantrag für das Stadion der Freundschaft – das als Ersatz für den Sportplatz und das Sportzentrum Hagenwerder schließlich saniert wurde – auf eine Schadenssumme von 1,9 Millionen kam, die wenig später sogar auf fünf Millionen Euro nach oben korrigiert wurde, das würden die Menschen in Hagenwerder gern mal richtig erklärt bekommen. Sie wissen zwar, dass vorher von Sanierung, später eben von Neubauten die Rede war, aber wie konnte sich der Schaden so dramatisch ändern?

Wirklich Antwort auf ihre Fragen bekamen sie im Laufe der Jahre nie. Nicht mal Ortsvorsteher Andreas Zimmermann, der für die CDU im Stadtrat sitzt und sich jetzt Vorwürfen ausgesetzt sieht, doch lange von der drohenden Stilllegung gewusst zu haben. Denn seit 2015 war bekannt, dass Sachsen als Fördermittelgeber im Gegenzug für die Stadionsanierung die Sportplatz-Stilllegung forderte. Weil es sonst ja kein Ersatz gewesen wäre, wenn beide Sportstätten weiter in Betrieb blieben.

„Es stimmt, das wussten wir seit 2015“, sagte Zimmermann am Donnerstag. „Aber auf jede unserer Nachfragen im Rathaus wurde uns versichert, wir müssten uns keine Sorgen machen. Und wir sollten Stillschweigen bewahren, um die Verhandlungen der Stadt mit Dresden nicht zu gefährden.“ Jürgen Heidrich vom ISG-Vorstand nannte es „einen groben Fehler, dass wir uns zum Stillschweigen überreden ließen.“

Fehler räumte übrigens auch eine Stadträtin ein. In der jüngsten Ratssitzung hatte Bürgermeister Michael Wieler anhand von Protokollen nachgewiesen, dass die Stadträte alle wissentlich um die Rasenplatz-Stilllegung in Hagenwerder der Stadionsanierung zugestimmt hatten. Vielleicht ja auch im sicheren Glauben, dass das, was die Bürgermeister versprachen, auch eintreten wird: dass es keine Schließung geben wird. Vor allem aus dem Sportausschuss ließen sich am Donnerstag einige Räte blicken. Darunter Yvonne Reich (Bürger für Görlitz), die sagte: „Wir können als Stadträte nicht verleugnen, dass uns da was durch die Finger gerutscht ist. Wir möchten den Fehler gutmachen und werden dran bleiben, wir haben auch alle die Petition unterschrieben.“ Diese hatte die ISG für den Erhalt des Platzes initiiert und mittlerweile 2 400 Unterschriften zusammen. Sie sollen im Dezember dem Innenministerium übergeben werden. Denn nur dieses kann die Stilllegung rückgängig machen. Darauf hofft auch weiterhin CDU-Stadtrat und Landtagsabgeordneter Octavian Ursu. Er hatte die teilweise Rückzahlung der Fördermittel vorgeschlagen. Obwohl die Sächsische Aufbaubank (SAB) das gegenüber der SZ ausschloss, will Ursu diese Hoffnung nicht begraben. „Die Stadt muss offiziell anfragen. Wie mir der OB heute mitteilte, ist ein Schreiben dazu gestern abgeschickt worden“, sagte Ursu und bat die Sportler um Zuversicht und noch ein wenig Geduld. Frank Domigalle fragte, wie lange man denn noch warten solle. „Erst haben sie uns die Fluchtlichtanlage genommen, dann den Hartplatz, jetzt den Rasenplatz. Uns laufen doch die Leute davon.“ Sandra Fritsche leitet die Abteilgung Kegeln. „Die Kegelbahn sollte uns auch weggenommen werden, nur durch viel Kampf und Fleiß ist das nicht passiert, und wir bekamen eine neue. Schade, dass jetzt die Fußballer so kämpfen müssen. Nichts ist schlimmer als ein Sportobjekt ohne Fußballplatz.“

Oder ohne Halle. Auch diese Wunde ist bei der ISG noch nicht verheilt. „Perspektivisch wollen wir unsere Halle zurückhaben“, sagte ISG-Chef Thomas Zimmermann. Die Halle wurde sofort nach der Flut gesperrt, schnell war beschlossene Sache, dass sie nicht mehr genutzt werden kann. Zu schnell, wie Judo-Abteilungsleiter Mike Birkner findet. Nach Jahren des Schweigens ließ auch er am Donnerstag seinem Frust freien Lauf und erzählte, wie er am Tag nach der Flut schon von der Stadt instruiert wurde, alle 200 Matten aus der Halle zu holen, wie komplette Bänke mit der Kettensäge zerstört wurden. „Die hätte man nur mit einem Lappen abzuwischen brauchen. Das alte Vereinsschild habe ich vom Müllhaufen gerettet, so kann man einen Verein auch abwickeln.“ Dieses Gefühl, Stück für Stück alles weggenommen zu bekommen, hält sich in Hagenwerder seit Jahren. Niemand konnte dem am Donnerstag etwas dagegensetzen.

Am Dienstag wird der Oberbürgermeister an der Ortschaftsratssitzung in Hagenwerder teilnehmen. Die Sitzung ist öffentlich und beginnt um 19 Uhr im Gemeindezentrum.

Kommentar: Rathaus-Doppelspitze fehlte

Daniela Pfeiffer
Daniela Pfeiffer

© Matthias Weber

Endlich das erste öffentliche Podium nach der Sportplatz-Stilllegung in Hagenwerder. Endlich konnte jeder laut aussprechen, was ihn bewegt. Viele nutzten die Chance, um nach Jahren des Schweigens den Mund aufzumachen – nicht nur über den Sportplatz, sondern auch über die Dinge, die kurz nach dem Hochwasser 2010 im Sportzentrum der ISG liefen und über die nie gesprochen werden sollte. Selbst dem Letzten dürfte klar geworden sein: Hier lief nicht alles rund.              Die Bürgerversammlung im Bahnhof wäre die optimale Gelegenheit für die Stadtspitze gewesen, sich zu erklären. Scheinbar hält sie das nicht für nötig, vielleicht will der OB dies aber auch im Ortschaftsrat am Dienstag tun. Aber es wäre der Stimmung zuträglicher gewesen, vor der Bürgerschaft ein paar Worte zu sagen. Welche bessere Chance, die Dinge gerade zu rücken, wenn denn die Stadt – wie sie suggeriert – tatsächlich keine Fehler gemacht hat, hätte es gegeben? Noch immer gibt es offene Fragen, die auch am Donnerstagabend erneut gestellt wurden. Warum kamen nicht der Oberbürgermeister oder der Bürgermeister mit Unterstützung ihrer Fachämter, um die Fragen zu beantworten? Andere trauten sich: Mehrere Stadträte hatten den Mumm, sich vor die Einwohner Hagenwerders zu stellen, Fehler einzugestehen und sich zu entschuldigen. Solche Signale braucht es, um die aufgekochte Stimmung abzukühlen und mit klarem Kopf gemeinsam Lösungen zu suchen.